Wo Stalin draufsteht,
ist auch Stalin drin

Neo-Stalinismus
in der Köln-Bonner Linken

Das Bild links zeigt Mitglieder aus mehreren Gruppen der sogenannten antiimperialistischen Linken auf einer Demonstration zum diesjährigen 1. Mai in Duisburg. Neben anderen Kleingruppen riefen auch die »Antikapitalistische Aktion Bonn« (AKAB) und die »Rote Aktion Köln« (RAK) zur Beteiligung auf und organisierten eine gemeinsame Fahrt zur Demo. Mit ihrem Marsch unter Stalin-Bannern zeigen die beiden Gruppen offen ihr Bekenntnis zum Stalinismus.

Der Stalinismus ist eine extrem autoritäre Strömung der radikalen Linken. Ein Personenkult um Josef Stalin, wie ihn die erwähnten Neo-Stalinist_innen betreiben, war noch das harmloseste Element seiner Herrschaft, der Millionen von Menschen zum Opfer fielen. Ideologisch ist der Stalinismus geprägt von quasireligiöser Verherrlichung der Arbeiterschaft und der »unterdrückten Völker«, die unter der Herrschaft einer Kaderpartei und ihres unangreifbaren Vorsitzenden zum Kommunismus geführt werden sollen. Wenn der weltrevolutionäre Heilsplan sich dann allerdings in der Realität nicht einstellt, kann das in diesem Weltbild nur an Verrat und Verschwörung des politischen Gegners liegen. Daher neigen die Stalinist_innen zur Paranoia, die, wenn sie an die Macht kommen, in ein Klima der Angst und des Terrors umschlägt, in dem sich niemand mehr sicher fühlen kann. Ständig »verschwanden« unter der stalinistischen Herrschaft Menschen, die kritisch dachten oder die dessen verdächtigt wurden, und landeten in Arbeitslagern. Oder sie wurden nach Schauprozessen hingerichtet oder gleich durch den Geheimdienst ermordet. Opfer der stalinistischen Scheinprozesse gegen »bürgerliche Kosmopoliten« wurden vor allem die sowjetischen Jüd_innen, die man aus dem Kollektiv auszusondern versuchte. Viele von ihnen mussten aus der Sowjetunion fliehen, andere wurden zu Lagerhaft verurteilt oder hingerichtet. Stalin hat nach seiner Machtübernahme sofort Freiheitsrechte von Frauen und Homosexuellen eingestampft, die sie in der russischen Revolution erkämpft hatten: Das Recht auf gleichgeschlechtliche Kontakte und das Recht auf Abtreibung. Frauen wurden in die Ehe und Kleinfamilie verbannt und aus den Fabriken vertrieben, vom Lohn des Ehemannes abhängig gemacht.

Wenn sich Linke heute positiv auf Stalin berufen, ist damit nicht zu spaßen. Auch wenn die Neo-Stalinist_innen heute weit davon entfernt sind, gesellschaftliche Wirkmächtigkeit zu erringen, sind sie eine ständige Gefahr für alle Andersdenkenden. Dass sie nicht vor Gewaltanwendung gegen emanzipatorische Linke zurückschrecken, haben sie wiederholt unter Beweis gestellt. Wo Stalin drauf steht, ist auch Stalin drin und damit staatlicher Terror, Massenmord, Antisemitismus und der positive Bezug auf Volk, Nation und Staat. Um ihren Einfluss nicht zu verlieren und ihn unbemerkt ausbauen zu können, haben die Mitglieder von AKAB und RAK ihren Stalinismus immer wieder verleugnet. So ist es ihnen gelungen, sich beispielsweise auch im Jugendverband der Bonner Verdi, im Allerweltshaus Köln oder bei Kein Mensch ist illegal Köln breit zu machen, bei der Bonner Jugendbewegung BJB sind sie seit deren Gründung tonangebend. Nach ihrem Auftritt unter Stalin-Bannern ist das Leugnen ihrer stalinistischen Gesinnung nun nicht mehr möglich.

Wir rufen alle emanzipatorisch denkenden Menschen auf, sich einer Zusammenarbeit mit diesen Leuten zu verweigern, sie aus allen linken Zusammenhängen heraus zu halten und ihrer Verschleierungstaktik überall entgegen zu treten.